Thekengespräch

31.01.2019
Freiburg(D)
von M. Bretzel und C. Morales
Junge Erwachsene

Was bedeutet für Euch Mission?

Missio bedeutet im ursprünglichen Wortsinn: Sendung. Unter Mission verstehen wir also, uns von Jesus senden zu lassen und ihm nachzufolgen, so zu leben, wie auch er gelebt hat.

Das versuchen wir Scalabrinis auf dem Weg der Armut, der ehelosen Hingabe an Gott und des Gehorsams. Wenn wir uns in seinen Auftrag stellen, dann können wir das Geschenk unseres Lebens mit anderen teilen, besonders mit Menschen, die eine Migration oder Flucht erlebt haben. Es geht dabei um ein Geschenk, das wir empfangen. Und es geht darum, unser Leben immer wieder durch das Wort Gottes und seine Nähe in den Sakramenten verwandeln zu lassen. Im Zentrum steht für uns die Aussage Jesu: »Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen« (Mt 25,35). Wenn Gott, der sich mit dem Fremden identifiziert, ganz konkret im Alltag in und unter uns immer wieder Aufnahme findet, dann spricht das Leben selbst.

Macht ihr auch interreligiöse Erfahrungen?

Bei unseren Sprachkursen für Geflüchtete sind oft Menschen verschiedenster Religion in einem kleinen Zimmer versammelt. Und es ist spannend: Immer wieder tauschen wir uns trotz aller sprachlichen Hürden auch über Fragen des Glaubens aus. 

Ein größeres interreligiöses Ereignis, an das wir uns alle gerne erinnern, geschah vor einigen Jahren. Damals war Kardinal Kurt Koch noch Bischof von Basel. Er hatte Geflüchtete und Asylbewerber verschiedener Religionen zu uns ins Internationale Bildungszentrum in Solothurn eingeladen. Darunter waren Christen verschiedener Konfessionen, Muslime, Hindus und Sikhs. Gemeinsam beteten wir für den Frieden und anschließend gab es ein großes Fest.

Die Angebote unserer Internationalen Bildungszentren stehen jedem jungen Menschen offen. Wir möchten dabei aber auch die Möglichkeit bieten, den christlichen Glauben in seiner universellen Dimension – denn kath-holos bedeutet im Griechischen: weltumfassend – neu zu entdecken und zu vertiefen. Wenn also Angehörige anderer Religionen an solchen Treffen teilnehmen, dann ist es uns wichtig, dass sie sich frei dafür entscheiden und vorher wissen wer wir sind. Wir möchten ihnen unsererseits nichts aufdrängen und wir erwarten ihrerseits, dass sie offen sind, sich auf eine Erfahrung dieser Art einzulassen.

Es ist nicht unser Ziel, die Teilnehmenden an eine Gruppe zu binden oder für eine bestimmte Sache zu organisieren. Wer einmal erfahren hat, dass wir einheitlich verbunden zusammenleben können und zwar so, dass die Verschiedenheit nicht nur toleriert, sondern als Reichtum geschätzt wird, der wird das in seinem Alltag weiterleben wollen. Diese neu gewonnene Horizonterweiterung wirkt sich dann dort, wo jeder und jede lebt, auf die Begegnung mit dem Anderen aus.  Auch schwierige Momente können so überwunden werden.

Oft wissen wir nicht recht, wie wir uns verhalten sollen, was das Richtige ist… Wenn wir unterwegs auf der Straße z.B. einem Menschen begegnen, von dem wir annehmen, dass er einen Fluchthintergrund hat, was sollen wir tun – oder auch nicht? Was würdet ihr uns empfehlen?

Wer sich und anderen diese Frage stellt, hat eigentlich schon die richtige Haltung, er ist offen. Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass jemand, der sich allein in einem fremden Land befindet, nach neuen Beziehungen sucht. Das gilt in verschiedenster Hinsicht. Leicht kann man auch im anderen – und vielleicht schneller als gedacht - Erwartungen wecken, die man gar nicht erfüllen kann oder will. Aber: am besten verhält man sich ganz normal. Also weder ausweichen, noch wegschauen, sondern eben ganz normal, wie bei jedem anderen Menschen auch.

Klar, es ist für alle gut, offen, freundlich und hilfsbereit zu sein. Das ist keine Frage. Dann ist es aber auch gut, mit anderen über diese Erfahrungen zu sprechen, neu entstandene Kontakte zusammen mit anderen zu gestalten und nicht ganz allein. Es ist wichtig, sich mit Organisationen und Gemeinden zu vernetzen …

Gerne würde man natürlich allen helfen und mit allen teilen wollen, aber wie kann das gehen?

Was uns helfen kann unsere Unzulänglichkeit und Ohnmacht, die wir diesbezüglich immer wieder spüren, auszuhalten, ist unsere tiefe Verbundenheit. Gott sei Dank sind wir als Menschen (und als Christen!) keine isolierten Zellen, sondern wie in einem Leib sind wir miteinander verbunden, wie die Glieder eines Körpers mit allen Teilen. Jede kleine, lebendige Zelle lässt Leben zirkulieren und alle profitieren davon, ob sie es wissen oder nicht.

Es lohnt sich also, den Sinn des eigenen Lebens, die eigene Berufung zu entdecken, also den Weg, auf dem man sein Leben ganz konkret verschenken kann. Für die einen kann das Ehe und Familie sein, für die anderen eine Weihe an Gott ….  Für alle Lebenswege aber gilt: Niemand lebt für sich allein, sondern alle leben für eine große Erfahrung der Liebe, die Gott für uns und mit uns gedacht hat.

 

Claudia und Margret

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